Hannah Arendt

Die Macht des Miteinandersprechens

von Hans Willand
 
Italiano di Barbara Muraca
Einzig das Miteinandersprechen ist das, was Politik ausmacht. Das hat die deutsch-amerikanische Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) in ihrer politischen Theorie entwickelt. Alle Menschen sprechen, nicht nur miteinander, sondern auch füreinander, gegeneinander. Aber nur das Miteinandersprechen erkennt den anderen als Anderen an und verbindet sich mit ihm. Nur das ist Politik.

In der vorigen Ausgabe (Juli 2005) von CONTRASTO konnten wir darüber lesen, dass der politische Theoretiker und Philosoph Paolo Flores d’Arcais versucht, mit Hilfe der politischen Theorie von Hannah Arendt die politischen Verhältnisse im heutigen Italien neu zu beleuchten, Verhältnisse, die gekennzeichnet sind durch das überragende Meinungsmonopol eines Medienkonzerns und eines Parteiensystems als Selbstzweck, in denen die Stimme des einzelnen Bürgers abwesend erscheint. Wenn andersdenkende und anderssprechende Journalisten aus dem vom Konzern kontrollierten Fernsehen entlassen werden, ist wohl die Frage zu stellen, ob hier nicht eine angeblich immer noch öffentliche Einrichtung entpolitisiert wird, sich auf den egomanischen Monolog mit sich selbst vorbereitet, was durch die unübersehbare Vielzahl von Gesprächen im TV nicht widerlegt, sondern im Gegenteil befördert wird, wenn zunehmend nur noch "Gleichgesinnte", ohne die "störenden Anderen", sprechen. Und wie wird wohl in den Parteien gesprochen, wenn das Ergebnis ist, dass der einzelne Bürger sich nicht mehr angesprochen fühlt?

In Deutschland kann man in Rückbesinnung auf die Arendtsche politische Philosophie die Frage stellen, was es bedeutet, dass die öffentliche politische Rede häufig als Gegeneinanderreden, Füreinanderreden, Übereinanderreden, Aneinandervorbeireden sich darstellt, während das Miteinanderreden eher Seltenheitswert zu haben scheint.

Politik ist nach Hannah Arendt die Kunst des Gesprächs und des Zuhörens. Im Sprechen und Hören wird alles verändert, erweitert, verschärft, erhellt. So ist nicht nur das politische Gespräch im öffentlichen Raum politisch, sondern auch das in der Privatsphäre, sofern es ein gemeinsames Anliegen zur Sprache bringt. Durch Sprechen und Hören gilt es auch das Überkommene, die Tradition lebendig werden zu lassen. »Was immer ich denke, muss in dauernder Kommunikation bleiben mit allem, was je gedacht worden ist. – Nur in der Kommunikation zwischen Zeitgenossen oder zwischen Lebenden und Toten enthüllt sich die Wahrheit.«

Die Politik hat mit Menschen im Plural zu tun. Pluralität bedeutet einerseits Gleichartigkeit, welche die Verständigung zwischen Gleichartigen ermöglicht. Andererseits bedeutet Pluralität Verschiedenheit, welche der Sprache zur Verständigung zwischen den Verschiedenen bedarf. »... menschliche Pluralität ist eine Vielheit, die die paradoxe Eigenschaft hat, dass jedes ihrer Glieder in seiner Art einzigartig ist. Sprechen und Handeln sind die Tätigkeiten, in denen diese Einzigartigkeit sich darstellt.« Die Einzigartigkeit beruht auf Natalität, Gebürtlichkeit, durch die jeder Mensch einmal als einzigartig Neues in der Welt erschienen ist. Jeder einzelne Mensch ist ein Neuanfang des Handelns in der Welt und durch sein Sprechen stellt er mit anderen einzelnen Menschen, die ganz und gar verschieden von ihm sind, eine gemeinsame Welt her, den politischen Raum.

Die Gebürtlichkeit begründet den Neuanfang des Lebens und stellt als solches ein Gegengewicht zur überkommenen Jahrtausende alten philosophischen Vorstellung von der "Sterblichkeit des Menschen" dar. »Handelnd und sprechend offenbaren die Menschen jeweils, wer sie sind, zeigen aktiv die personale Einzigartigkeit ihres Wesens, treten gleichsam auf die Bühne der Welt, auf der sie vorher so nicht sichtbar waren, solange nämlich, als ohne ihr eigenes Zutun nur die einmalige Gestalt ihres Körpers und der nicht weniger einmalige Klang der Stimme in Erscheinung traten.«

Dem Paradoxon der Einzigartigkeit in der Vielheit entsprechen eine politische Rede und ein politisches Handeln, das durch Miteinandersprechen und Miteinanderagieren gekennzeichnet ist. Füreinandersprechen oder Gegeneinandersprechen, beides entspricht der Einzigartigkeit in der Vielheit gerade nicht. Diese Arten des Sprechens und Agierens sind Randerscheinungen des Politischen. Das Füreinandersprechen und -agieren begründet die Güte und Selbstlosigkeit der Heiligen, das Gegeneinandersprechen das Verbrechen und die Selbstsucht der Unterwelt. Beide verbindet, dass sie das Subjekt des Handelns weder enthüllen wollen noch enthüllen können. Es sind Randerscheinungen des Politischen, die in Zeiten des Untergangs, des Verfalls, der politischen Korruption das Politische zerstören können. »In solchen Zeiten verdunkelt sich der Bereich der menschlichen Angelegenheiten; er verliert die strahlende, Ruhm stiftende Helle, die nur dem Öffentlichen, das sich im Miteinander der Menschen konstituiert, eignet...«

Macht leitet sich einzig aus einer nichtdeformierten Öffentlichkeit her und ist nicht durch Gewalt zu ersetzen. Gewalt kann zerstören, aber nicht gestalten. »Macht besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen.«

Hannah Arendt ist vorgeworfen worden, dass sie in ihrer politischen Theorie soziale und institutionelle Voraussetzungen politischen Handelns nicht angemessen gewürdigt, die Gefahr instrumentalistischer Verkürzung von Recht, Verfassung und demokratischer Willensbildung nicht gesehen habe. Sie blieb dabei: Die politische Sicherung der öffentlichen Freiheit, die sich im Medium gemeinsamen Handelns erst bildet, ist notwendig Sache jedes Einzelnen. In diesem Sinne wandte sie sich gegen die entpolitisierenden Wirkungen von Bürokratie und repräsentativer Massendemokratie.

Nach Hannah Arendt beginnt Politik nicht in der "großen Politik", umgekehrt kann sie dort verfallen, verschwinden, wobei die Systeme, die Abläufe und Mechanismen, die Rituale "weiterleben" können. Politik beginnt dort, wo Einzigartige, die wir als Geborene alle sind, miteinander sprechen und einander genau zuhören und so ein Stück gemeinsame Welt für die Vielen, den politischen Raum, schaffen.


Primärliteratur:

Vita activa, Piperverlag 2005

Menschen in finsteren Zeiten, Piperverlag 2001

Ciò che costituisce intimamente la sfera politica è il dialogare. Un concetto sviluppato dalla filosofa tedesco-americana Hanna Arendt (1906-1975) nella sua teoria politica. Tutti gli esseri umani parlano non solo gli uni con gli altri nella forma del dialogo, ma anche gli uni per gli altri e contro gli altri. Tuttavia è soltanto nel dialogo reciproco che si riconosce l’altro in quanto altro e ci si mette in relazione. Solo questa è la sfera del politico.

Nel numero precedente di CONTRASTO (luglio 2005) abbiamo potuto seguire il pensatore e filosofo Paolo Flores d’Arcais nel suo tentativo di leggere, alla luce della teoria politica di Hanna Arendt, l’attuale situazione politica italiana caratterizzata dal monopolio d’opinione quasi assoluto di un gruppo mediatico e da un sistema di partiti fine a se stesso che sembra non lasciar spazio alla voce dei singoli cittadini. Quando giornalisti che professano idee diverse o scelgono modi di comunicazione differenti vengono licenziati dalla televisione in mano a un monopolio privato, viene da chiedersi se non si stia assistendo alla chiara depoliticizzazione di un’istituzione pur sempre pubblica, che si prepara a un monologo egomanico con se stessa: l’evidente moltitudine di dibattiti televisivi è ben lungi dal contraddire tale tendenza, anzi, la rafforza fin quando a parlare sono comunque solo personaggi "affini fra loro" senza gli "altri" come fattore incomodante. Ma come procedono invece i "dialoghi" all’interno dei partiti, se il risultato è che i cittadini non si sentono più chiamati in causa?

In Germania, partendo dai postulati della filosofia politica di Hanna Arendt, sorge spontanea la domanda sul significato di un discorso politico pubblico che sempre più si presenta come un parlarsi contro, parlare l’uno al posto dell’altro, l’uno prevaricando l’altro, ciascuno disconnesso dal parlare dell’altro, mentre il parlare l’uno CON l’altro pare un fenomeno in via di estinzione.

Per Hanna Arendt la sfera del politico contempla l’arte del dialogo e dell’ascolto. Parlando e ascoltando tutto può essere cambiato, ampliato, puntualizzato, illuminato. Pertanto è da considerarsi prettamente politico non solo il dialogo nella sfera pubblica ma, fintanto che esso intavola un tema comune, ciò vale anche per la sfera privata. Il dialogo e l’ascolto ridanno vita anche alla tradizione: «Qualsiasi cosa io pensi, deve rimanere in costante comunicazione con tutto ciò che da sempre è stato pensato. – Solo nella comunicazione tra contemporanei o tra i vivi e i morti si rivela la verità».

La sfera del politico riguarda gli esseri umani al plurale. La pluralità implica da un lato un’affinità che rende possibile l’intesa tra simili. D’altro canto la pluralità significa anche la differenziazione che necessita il linguaggio per raggiungere un’intesa tra diversi. «... la pluralità umana è una molteplicità dotata di una caratteristica paradossale: ognuno dei suoi membri è assolutamente unico e singolare nel suo genere. Parlare ed agire sono le attività nelle quali si manifesta una tale singolarità». La singolarità di ognuno si fonda sulla natalità: è il momento della nascita quello che sancisce la comparsa nel mondo di ogni uomo e di ogni donna come essere assolutamente nuovo. Ogni singolo essere umano è un nuovo inizio di azione nel mondo e, attraverso il proprio linguaggio, costituisce insieme ad altri esseri umani, completamente diversi e distinti, un mondo comune, lo spazio politico.

La natalità costituisce il nuovo inizio della vita e rappresenta così il contraltare della concezione filosofica millenaria della "mortalità umana". «Agendo e parlando gli esseri umani rivelano chi sono, manifestano in modo attivo l’unicità personale della loro essenza, fanno la loro comparsa in tal modo sulla scena del mondo, sulla quale non erano visibili finché, quantomeno senza un attivo contributo da parte loro, non si sono manifestati la figura unica del loro corpo come pure l’unicità del suono della loro voce».

Al paradosso della singolarità nella pluralità fanno eco un dialogare e agire politici caratterizzati dal parlare gli uni con gli altri e dall’agire gli uni con gli altri. Il parlare gli uni per gli altri o gli uni contro gli altri non corrispondono invece alla singolarità nella pluralità: queste forme del linguaggio e dell’azione sono piuttosto manifestazioni collaterali del politico. Il parlare o l’agire gli uni per gli altri è alla base della bontà e dell’altruismo dei santi, mentre il parlare gli uni contro gli altri rappresenta la cattiveria e l’egoismo degli inferi. Entrambe sono però legate dal fatto che non vogliono né possono rivelare il soggetto dell’azione. Si tratta di fenomeni collaterali del politico che, in periodi di decadenza e corruzione, possono distruggere il politico stesso. «In tali epoche la sfera dell’umano si oscura, perde la lucentezza brillante e splendente che è propria soltanto di quella dimensione pubblica costituitasi nello spazio degli uni con gli altri».

Il potere deriva unicamente da una dimensione del pubblico non deformata e non è rimpiazzabile mediante violenza. La violenza può distruggere, ma non dare forma. «Il potere non è qualcosa che qualcuno può possedere, esso emerge tra gli esseri umani quando questi agiscono insieme, e scompare non appena essi si disperdono».

Ad Hannah Arendt è stato rimproverato il fatto che nella sua teoria politica non trovino sufficiente considerazione i presupposti sociali nonché istituzionali dell’agire politico e inoltre di non aver valutato il pericolo di un uso strumentalizzante del diritto, della costituzione e dei meccanismi di decisione democratica. Ciononostante la filosofa è rimasta fermamente convinta che la garanzia politica della libertà pubblica, che si forma solo nello spazio dell’agire comune, è necessariamente una questione di ogni individuo. In tal senso si è sempre schierata contro gli effetti depoliticizzanti della burocrazia e della democrazia rappresentativa di massa.

Secondo Hannah Arendt il politico non inizia con la "grande politica", anzi, è proprio a quel livello che può deteriorarsi e sparire, mentre i sistemi, i processi automatizzati, i meccanismi e i rituali vari possono "sopravvivere". Il politico inizia là dove i singoli, quali noi tutti siamo dalla nascita, parlano gli uni con gli altri, si ascoltano con attenzione, danno vita a un pezzo di mondo comune per la moltitudine, creando insomma lo spazio politico.


Bibliografia:

Vita activa, Bompiani 1991