Giangiacomo Feltrinelli

Un rivoluzionario irreperibile

von Ursel Anton
 
Italiano di Donatella Brioschi
Wer war eigentlich dieser Feltrinelli? Verleger, Revolutionär, Millionenerbe, antiimperialistischer Kämpfer, Untergrundkämpfer?

Bevor Giangiacomo Feltrinelli untergetaucht war, hatte er im Italien der Nachkriegszeit immer wieder für Furore gesorgt, mit seinen Verlagspublikationen wie auch zunehmend mit seinen politischen Aktivitäten und Aktionen. Sein Sohn Carlo, der heute den Feltrinelli Verlag zusammen mit seiner Mutter Inge Feltrinelli leitet, war bei Giangiacomos bis heute unaufgeklärten Tod gerade erst 10 Jahre alt. Nun, 30 Jahre später, hat er die Geschichte seines Vaters aufgearbeitet und ein Buch herausgegeben, das mit zu den authentischsten Biografien des 20. Jahrhunderts gezählt werden kann. Denn es ist nicht nur das Leben von Feltrinelli und seiner Familie, was da wie ein Film vor uns abläuft, sondern vor allem die explosive politische Situation Italiens und der Welt in der Zeit des Nach-Faschismus und des Kalten Krieges, im Wesentlichen also die Zeit vom Ende des 2. Weltkriegs bis zum Todesjahr von Giangiacomo 1972. Das Puzzle, das Carlo aus eigenen Erinnerungen und den Befragungen unzähliger Zeitzeugen, aus Giangiacomos Briefen und nicht zuletzt aus Dokumenten von Polizei- und Geheimdienstakten zusammensetzt, erzeugt eine Spannung, der man sich kaum entziehen kann. „Senior Service“, so der Titel, ist im Original 1999 bei Feltrinelli erschienen und liegt seit 2001 in deutscher Übersetzung vor. Folgen wir also den Lebensspuren von Giangiacomo Feltrinelli, um zu sehen, wie sich seine Wandlung vom privilegierten Bürgersohn zum Vorkämpfer des Proletariats und zum Untergrundkämpfer gegen den sich ausbreitenden Imperialismus weltweit vollzog.

Feltrinelli, 1926 in Mailand in einer Familie des großindustriellen Bürgertums geboren, kommt am Ende des 2. Weltkriegs erstmals mit Antifaschisten zusammen und tritt 1945 in die Kommunistische Partei Italiens ein; diese unterstützt er großzügig mit einem Teil seines Erbes. Bereits hier zeichnet sich der Konflikt ab, der ihn sein Leben lang begleitet: dass er zu einer bestimmten sozialen Klasse – der Großbourgeoisie – gehört, aber gleichzeitig für die Emanzipation der unterdrückten Klassen kämpft. Dadurch gewinnt er nicht nur Freunde, vielmehr wird er schon seit 1948 von Innenministerium und Militärischem Abschirmdienst überwacht.

Mit der Gründung der Biblioteca Feltrinelli 1948 in Mailand legt er den ersten Baustein zur Aufarbeitung der Geschichte der Arbeiterbewegung und des Marxismus. 1954 folgt dann der Aufbau des Verlages Feltrinelli in Mailand und nach und nach der verlagseigenen Buchhandlungen. Im Verlag werden konsequent Bücher publiziert, die sich der Aufarbeitung des Faschismus widmen, die in anderen Ländern Erscheinungsverbot haben wie z.B. in Francos Spanien oder in Frankreich Bücher zum Algerienkrieg; aber auch Bücher, an die sich andere Verleger nicht herangewagt hätten, wie die der italienischen Avantgarde oder der lateinamerikanischen Autoren; und schließlich wird Autoren aus Ländern der Dritten Welt hier eine Plattform für Veröffentlichungen geboten.

Der erste Höhepunkt des Verlegers wird die Publikation von Boris Pasternaks „Dr. Schiwago“, die er gegen den Widerstand der Sowjetunion und der Kommunistischen Partei Italiens erst nach fast zweijährigem Tauziehen verwirklichen kann; das ist 1957, mitten im Kalten Krieg. Als Pasternak ein Jahr später den Nobelpreis für Literatur dafür erhält, muss er ihn jedoch wegen der Repressionen im eigenen Land ablehnen. Das Buch wird ebenso wie die anschließende Verfilmung zum ersten Weltbestseller.

Mit seinen Reisen zu Fidel Castro nach Kuba ab 1964 beginnt für Feltrinelli die Zeit des tätigen politischen Engagements, seine Unterstützung der Befreiungsbewegungen und seine Solidarität mit den Guerillabewegungen weltweit, hauptsächlich jedoch im lateinamerikanischen Raum. 1967 reist er nach Bolivien, um sich für Régis Debray, Verbindungsmann zwischen Kuba und dem in Bolivien untergetauchten Che Guevara, einzusetzen. Aber er wird vom CIA verhaftet und Che Guevara wird noch im gleichen Jahr vom CIA und vermutlich von dem berüchtigten Quintanilla ermordet. Von Fidel bekommt er Ches Vermächtnis „Diario in Bolivia“, das er selbst übersetzt und mit dem berühmten Foto von Alberto Korda 1968 herausgibt; auch ein Buch und ein Foto, das um die Welt gingen.

Nicht erst seit dem Militärputsch in Griechenland 1967 ist Feltrinelli davon überzeugt, dass auch in Italien ein Staatsstreich von rechts möglich ist; tatsächlich hatte es bereits 1964 Putschpläne gegeben („Piano Solo“), die von griechischen Militärs und unter Mitwirkung der USA betrieben wurden, aber nicht zur Durchführung gelangt waren. Die Spannung in Italien wird immer wieder aufgeheizt durch Überfälle, Anschläge und Explosionen, vor allem in Zügen und Bahnhöfen, die von den Rechten u.a. dem Ordine Nuovo begangen, aber zuerst immer den Linken in die Schuhe geschoben werden.

Diese Entwicklung gipfelt dann im Dezember 1969 in dem Bombenanschlag in der Mailänder Landwirtschaftsbank an der Piazza Fontana. Dabei sterben sechzehn Menschen und über hundert werden verletzt. Feltrinelli und andere Linke werden jetzt erstmals öffentlich von der Polizei mit dem Attentat in Verbindung gebracht. Wie sich Jahre später herausstellen wird, war auch dies die Tat von Neofaschisten, die sie als Teil ihrer Umsturzbestrebungen verübt hatten. Feltrinelli kann der Verhaftung entgehen, weil er verschwindet.

Feltrinelli, dem jegliches Vertrauen in eine unabhängige Justiz schon längst abhanden gekommen ist, fühlt sich als Opfer eines groß angelegten Manövers der italienischen und vor allem amerikanischen Geheimdienste; deshalb entscheidet er sich für die »Unauffindbarkeit«, wie er an seine Freunde und Mitarbeiter schreibt. Vergeblich versuchen sie, ihn wieder zurückzuholen. Fortan hält er sich nur noch in konspirativen Wohnungen auf und kann sich nur noch heimlich mit den Menschen seines Vertrauens treffen.

Seine Versuche, linke Kräfte wie die Brigate Rosse oder die GAP (Gruppi di Azione Partigiana) zu gemeinsamen Aktionen gegen den Staatsstreich sowie die offen agierenden MSI-Faschisten zu vereinen, schlagen mehr oder weniger fehl. Ihm schwebt der bewaffnete Widerstand nach dem Muster der Stadtguerilla vor. Dabei werden u.a. Anschläge auf Hochspannungsmasten geplant. Nach einer Großdemonstration im März 1972 in Mailand will er zusammen mit zwei Vertrauten der Genueser GAP-Gruppe einen solchen Anschlag durchführen und wird dabei selbst getötet. Nur, ob es sich dabei um einen Unfall gehandelt hat oder ob der Zeitzünder der Sprengstoffladung manipuliert war, ist nie geklärt worden.

Es gibt bewegende Briefe, die Feltrinelli z.B. mit Boris Pasternak wechselte, und es gibt bewegende Zeugnisse von denen, die ihm verbunden waren. So schreibt Nadine Gordimer in der März-Ausgabe der Zeitschrift DU: »Heute würde sich Feltrinelli mit uns gegen die Globalisierung einsetzen, um die Armut zu bekämpfen. [...] Er kämpfte nicht aus Überheblichkeit oder Abenteuerlust. Obwohl er in eine privilegierte Welt hineingeboren wurde, obwohl er also alles hatte, fehlte ihm eines: eine gerechte Welt.«

Ma chi era veramente Giangiacomo Feltrinelli? Un editore, un rivoluzionario, l’erede di un impero miliardario, un antimperialista, un dissidente clandestino?

Prima di entrare in clandestinità Feltrinelli aveva fatto gran furore nell’Italia del dopoguerra, sia con le sue pubblicazioni che con la sua attività politica. Suo figlio Carlo, che oggi dirige la casa editrice insieme alla madre Inge, al tempo della morte tutt’oggi non chiarita di Giangiacomo aveva appena 10 anni. Ora, trent’anni più tardi, ha pubblicato un libro sulla storia del padre che può essere annoverato fra le più autentiche biografie del XX secolo. Tratta infatti non solo della vita di Feltrinelli e della sua famiglia, ma anche e soprattutto della situazione politica esplosiva in Italia e nel mondo nel periodo postfascista e della guerra fredda, in pratica gli anni dalla fine della guerra fino alla morte di Giangiacomo nel 1972. Il puzzle messo insieme da Carlo, grazie a ricordi personali e richieste di materiale a innumerevoli giornali, nonché documenti giudiziari e atti segreti, crea una tensione alla quale non ci si riesce a sottrarre. “Senior Service” è stato pubblicato da Feltrinelli nel 1999 e nel 2001 è seguita anche la traduzione in tedesco. Seguiamo dunque le tracce di G. Feltrinelli per vedere come si è sviluppata la sua trasformazione da privilegiato rampollo piccolo borghese ad avanguardia per la causa del proletariato contro l’imperialismo dilagante in tutto il mondo, fino alla lotta in clandestinità.

Nato nel 1926 a Milano da una famiglia della borghesia imprenditoriale, alla fine della seconda guerra mondiale si unisce agli antifascisti, per poi entrare nel 1945 nel Partito Comunista Italiano (PCI), da lui finanziato generosamente con una parte dell’eredità. Già in quegli anni si delinea il conflitto che lo avrebbe accompagnato per tutta la vita: da un lato l’appartenenza ad un ceto sociale ben preciso, cioè quello dell’alta borghesia, dall’altro l’impegno a favore dei diritti delle classi oppresse. Più che attirargli consensi, questa sua posizione fa scattare a partire dal 1948 la sua sorveglianza da parte del Ministero degli Interni e del controspionaggio militare.

La Biblioteca Feltrinelli, da lui fondata nel 1948 a Milano, rappresenta il primo passo verso una rielaborazione programmatica della storia del movimento operaio e del marxismo. Nel 1954 nasce a Milano l’omonima casa editrice a cui seguirà l’apertura delle librerie annesse. Coerentemente la casa editrice pubblica opere vietate in altri Paesi. È il caso di quei libri di analisi critica del fascismo, censurati in Spagna, o di quelli sulla guerra di Algeria, proibiti in Francia. Escono inoltre libri che altri editori non avrebbero osato pubblicare, come quelli dell’avanguardia italiana o di autori latinoamericani. Infine, viene dato spazio anche alla pubblicazione di scrittori provenienti da Paesi del Terzo Mondo.

Il primo grande successo di Feltrinelli è Il dottor Zivago di Boris Pasternak. L’uscita del romanzo, ostacolata dall’Unione Sovietica e dal PCI, avverrà dopo quasi due anni di intense trattative. Siamo nel 1957, in piena guerra fredda. Un anno dopo Pasternak, a causa delle minacce in atto nel suo Paese, è costretto a rifiutare il Premio Nobel conferitogli. Il libro, e il film tratto da questo, diventeranno entrambi best seller internazionali.

Il 1964 segna l’inizio della militanza politica dell’editore. Feltrinelli si reca a Cuba per incontrare Fidel Castro, sostiene i movimenti di liberazione e solidarizza con la guerriglia internazionale, soprattutto con quella dell’America Latina. Nel 1967 va in Bolivia per intercedere a favore di Régis Debray, uomo di collegamento tra Cuba e Che Guevara, che in Bolivia vive in clandestinità. Feltrinelli viene però arrestato dalla CIA, responsabile probabilmente insieme con il famigerato Quintanilla dell’omicidio del “Che”, avvenuto lo stesso anno. Fidel Castro affida a Feltrinelli il Diario in Bolivia, ultimo lascito del “Che”. Il libro verrà tradotto dall’editore stesso e farà il giro del mondo insieme con la famosa foto che Alberto Korda aveva scattato al rivoluzionario nel 1968.

Il colpo di stato militare in Grecia del 1967 rafforza in Feltrinelli la convinzione che, anche in Italia, possa accadere la stessa cosa per mano della destra. E infatti, già nel 1964, i militari greci con la collaborazione degli USA avevano pianificato un golpe (“Piano Solo”), poi non concretizzatosi. In Italia, intanto, la tensione cresce sempre più. Ad alimentarla è la serie di assalti, attentati ed esplosioni che colpiscono soprattutto treni e stazioni. La colpa di tali azioni terroristiche si attribuisce dapprima a esponenti della sinistra, mentre in realtà i responsabili appartengono a movimenti dell’estrema destra, tra cui Ordine Nuovo.

I disordini culminano nel dicembre 1969 nella strage di Piazza Fontana a Milano, causata da una bomba scoppiata nella Banca nazionale dell’Agricoltura: sedici persone muoiono e oltre cento rimangono ferite. La polizia in un primo momento mette pubblicamente sotto accusa Feltrinelli e altri attivisti della sinistra. Come si stabilirà anni dopo, i colpevoli sono invece dei neofascisti, intenzionati a destabilizzare il Paese. Feltrinelli sfugge all’arresto scomparendo dalla circolazione.

Ormai senza più alcuna fede nei confronti di una “giustizia vera”, l’editore si sente vittima di una grande congiura ordita sia dai servizi segreti italiani sia, soprattutto, da quelli americani. Decide, quindi, di rendersi “irreperibile”, come scrive ai suoi amici e collaboratori. Invano questi ultimi cercano di farlo tornare. Da quel momento Feltrinelli vive nella clandestinità e solo di nascosto può incontrare persone fidate.

Più o meno inutili risulteranno gli sforzi da lui fatti per allearsi con le Brigate Rosse o i vari GAP (Gruppi Armati Partigiani), al fine di fronteggiare il pericolo golpista e di opporsi ai fascisti dell’MSI (Movimento Sociale Italiano), usciti ormai allo scoperto. Feltrinelli pensa ad una resistenza armata come quella della guerriglia urbana. Tra i vari piani studiati a tal fine c’è anche quello di sabotare i tralicci dell’alta tensione. Feltrinelli e altri due militanti del GAP vogliono compiere un analogo attentato dopo la grande manifestazione del marzo 1972 a Milano. Il sabotaggio fallisce e Feltrinelli viene trovato morto. Non è mai stato chiarito se si sia trattato di un incidente o se la miccia dell’esplosivo sia stata manomessa.

Il libro, oltre ai commuoventi scambi epistolari tra Feltrinelli e Pasternak, riporta anche appassionate testimonianze di persone legate all’editore. La scrittrice Nadine Gordimer, nella rivista DU uscita nel marzo dell’anno scorso, ha dichiarato: «Oggi Feltrinelli si unirebbe a noi contro la globalizzazione, per combattere la povertà. [...] Egli non lottava per presunzione o per spirito di avventura. Anche se apparteneva ad un mondo privilegiato, anche se aveva tutto, gli mancava una cosa: un mondo giusto».