Il signor G ci ha lasciato

Du wirst uns fehlen, Giorgio Gaber!

 
di Mauro Venier
Übersetzt von Gabi Pommerenke
Sì, il signor G è morto. Giorgio Gaber ha seguito il personaggio da lui creato con “Il signor G”, spettacolo e album del 1970.

Dopo De André, dopo Bertoli, un altro rappresentante scomodo, un altro artista originale ci lascia. E subito i coccodrilli hanno cominciato a piangere, sporcando non solo i giornali, ma anche il funerale di un uomo pieno di difetti e di pregi. Di un uomo che si era etichettato da solo “Signor G” per prevenire etichettature altrui. Non è qui il caso di accodarsi al corteo dei tanti gaberiani postumi. Non siamo e non siamo mai stati gaberiani, proprio perché amavamo e amiamo Gaber.

Il nostro Gaber è quello che sostituisce Celentano nelle prove col Clan, quello che duetta con l’altro folle della scena milanese, Enzo Jannacci, quello che decide di dedicarsi al teatro musicale e di abbandonare fino a tempi recenti la forma-canzone classica, quello che dice quello che pensa e non si preoccupa se sia giusto o sbagliato.

Il “mio” Gaber è quello che, io studentello universitario, vidi in teatro a Genova e si lasciò costringere, bis dopo bis, a terminare all’una di notte uno spettacolo che avrebbe dovuto terminare alle 22, chiedendo alla fine, ormai completamente senza voce, di essere graziato e lasciato andare. Forse l’unico artista italiano non anti-politico, ma veramente a-politico. E di conseguenza forse quello più politico di tutti.

Voglio ricordarlo con un suo testo, un suo splendido testo poco conosciuto, una splendida, commovente, anarchica e laica preghiera.

Arrivederci signor Gaberscik. Oggi, in questo breve ricordo, desidero salutarti col tuo cognome vero, completo. E ringraziarti per quello che senza saperlo, forse senza volerlo, ci hai dato, maledetto splendido individualista che non sei altro.

Ja, Herr G. ist tot. Giorgio Gaber folgte der von ihm erdachten Kunstfigur „Signor Gaber“, bekannt aus dem gleichnamigen, 1970 erschienenem Programm und Album.

Nach De André und Bertoli verließ uns damit ein weiterer unbequemer Zeitgenosse, ein weiterer außerordentlich origineller Künstler, woraufhin sofort wieder Krokodilstränen vergossen wurden, und zwar nicht nur von der Presse, sondern auch während der Beerdigung eines Mannes, der ungewöhnlich viele Stärken und Schwächen aufwies. Ein Mann, der sich selbst nur „Signor G.“ nannte, um der Etikettierung durch Andere zuvorzukommen. Wir haben keineswegs die Absicht, uns in den Trauerzug der plötzlich so zahlreichen posthumen Bewunderer Gabers einzureihen. „Gaberiani“ sind wir nicht und waren es auch niemals, eben weil wir Gaber liebten und lieben.

Unser Gaber ist derjenige, der Celentano während der Proben mit dessen Clan ersetzt; derjenige, der ein Duett mit Enzo Jannacci, dem anderen Paradiesvogel der Mailänder Szene, singt; derjenige, der beschließt, sich dem Musiktheater zu widmen und bis zuletzt die typische Form des Schlagers ablehnt; derjenige, der sagt, was er meint, ohne zu bedenken, ob es richtig oder falsch ist.

„Mein“ Gaber ist der, den ich als junger Student in Genua auf der Bühne erlebte und der sich dazu hinreißen ließ, Zugabe über Zugabe zu geben, und damit eine Vorstellung, die bereits um 22 Uhr beendet sein sollte, bis um 1 Uhr nachts andauern ließ, und – zu diesem Zeitpunkt schon völlig heiser – schließlich darum bat, begnadigt und entlassen zu werden.

Vielleicht war er der einzige nicht anti-politische, aber a-politische italienische Künstler. Und eben deshalb vielleicht gerade der politischste von allen.

Mit einem seiner Texte möchte ich an ihn erinnern, mit einem wunderschönen, aber kaum bekannten Text. Hier ein wunderschönes, bewegendes, anarchisches Laiengebet.

Auf Wiedersehen, Signor Gaberscik! Hier, in diesem kurzen Gedenken, möchte ich dich mit deinem eigentlichen und vollständigen Namen anreden und grüßen. Und möchte dir danken für all das, was du, ohne es zu wissen und vielleicht auch ohne es zu wollen, uns gegeben hast. Du verfluchter wunderbarer Individualist, der du nichts Anderes bist.

Preghiera (da “Il signor G”, 1970)

Signore delle domeniche,

prova ad esserlo anche del lunedì e di tutti quei giorni tristi che ci capitano sulla Terra.

Signore dei ricchi e dei fortunati, prova ad esserlo se puoi, anche di quelli che non hanno niente, anche di chi ha paura e soffre, anche di chi pena e soffre, anche di chi lavora e lavora e lavora... e soffre e soffre e soffre.

Signore dei gentili e dei buoni, prova ad esserlo se vuoi, anche di quelli che sono cattivi e violenti perché non sanno come difendersi in questo nostro mondo.

Signore delle chiese e dei santi, signore delle suore e dei preti, prova ad esserlo se credi, anche dei cortili, delle fabbriche, delle puttane, dei ladri.

Signore, Signore dei vincitori, prova ad esserlo se ci sei anche dei vinti.

Amen.

Gebet (aus: „Herr G“, 1970)

Herr der Sonntage,

versuch auch Herr des Montags und all jener traurigen Tage zu sein,

mit denen wir es auf dieser Erde zu tun haben.

Herr der Reichen und Glücklichen, versuch, wenn du es kannst, auch Herr all derer zu sein, die nichts haben und auch derer, die Angst haben und leiden, desjenigen, der sich abmüht und leidet, und auch desjenigen, der arbeitet und arbeitet und arbeitet... und leidet und leidet und leidet.

Herr der Liebenswürdigen und Guten, wenn du magst, versuch auch, Herr derer zu sein, die böse und gewalttätig sind, weil sie nicht wissen, wie sie sich in unserer Welt anders verteidigen können.

Herr der Kirchen und Heiligen, Herr der Ordensschwestern und Priester,

versuch auch, wenn du es dir zutraust, es für die Hinterhöfe, Fabriken, Huren und Diebe zu sein.

Herr der Sieger, versuch auch, Herr der Besiegten zu werden.

Amen.

Riportiamo infine il testo del brano di Gaber che ha chiuso i funerali del cantautore nell’abbazia di Chiaravalle:

Non insegnate ai bambini

Non insegnate ai bambini

non insegnate la vostra morale

è così stanca e malata

potrebbe far male

forse una grave imprudenza

è lasciarli in balìa di una falsa coscienza

Non elogiate il pensiero

che è sempre più raro

non indicate per loro

una via conosciuta

ma se proprio volete

insegnate soltanto la magia della vita

Giro giro tondo cambia il mondo

Non insegnate ai bambini

non divulgate illusioni sociali

non gli riempite il futuro

di vecchi ideali

l’unica cosa è tenerli lontano

dalla nostra cultura

Non esaltate il talento

che è sempre più spento

non li avviate al bel canto, al teatro, alla danza

ma se proprio volete

raccontategli il sogno di un’antica speranza

Non insegnate ai bambini

ma coltivate voi stessi il cuore e la mente

stategli sempre vicini

date fiducia all’amore, il resto è niente

Giro giro tondo, cambia il mondo

Giro giro tondo, cambia il mondo

Im Folgenden die Textstelle eines Stücks von Gaber, die die Beerdigungszeremonie für den Liedermacher in der Abtei von Chiaravalle abschloss:

Lehrt die Kinder nicht

Lehrt die Kinder nicht

lehrt sie nicht eure Moral

sie ist so überholt und krank

dass sie ihnen Schaden zufügen könnte

begeht nicht die Fahrlässigkeit

sie einem falschen Bewusstsein auszuliefern.

Rühmt nicht den Gedanken

der immer seltener wird

zeigt ihnen keinen bekannten Weg auf

solltet ihr jedoch großen Wert darauf legen

lehrt sie einzig die Magie des Lebens.

Dreh dich Kreisel unterm Himmelszelt

verändere unsere Welt!

Lehrt die Kinder nicht

verbreitet keine sozialen Illusionen

verbaut ihre Zukunft nicht mit überholten Idealen

die Hauptsache ist, dass ihr sie fernhaltet von unserer Kultur

die immer mehr erlischt

verherrlicht nicht das Talent

leitet sie weder zu Gesang, noch zu Schauspiel oder Tanz an

solltet ihr jedoch großen Wert darauf legen

vermittelt ihnen den Traum von einer uralten Hoffnung.

Lehrt die Kinder nicht

aber pflegt selbst euer Herz und euren Geist

steht ihnen immer zur Seite

gebt ihnen Vertrauen in die Liebe

alles Übrige zählt nicht.

Dreh dich Kreisel unterm Himmelszelt

verändere unsere Welt!

Dreh dich Kreisel unterm Himmelszelt

verändere unsere Welt!