Klaus Wagenbach

Un amore particolare per la finzione narrativa mediterranea

von Gabriele Pommerenke
Italiano di Claudio Paroli
Die Bibliographie des Berliner Klaus Wagenbach Verlages durchzusehen, ist gefährlich. Diese interessante Fundgrube verführt nämlich dazu, eine lange Liste unbedingt zu lesender Titel aufzustellen. Allen voran könnte auf dieser Hitliste die von differenzierter Kennerschaft zeugende belletristische Anthologie Mein Italien, kreuz und quer (2004), die Klaus Wagenbach selbst zusammenstellte, stehen. Gleich darauf könnten beispielsweise Andrea Camilleris Italienische Verhältnisse (2005) und Umberto Ecos Mein verrücktes Italien (2002) folgen, weiterhin die Textsammlungen Berlusconis Italien – Italien gegen Berlusconi (2002) und Nach Italien. Anleitung für eine glückliche Reise (2002) – soweit nur ein kleiner Einblick in den vielseitigen italophilen Teil des Verlagsprogramms.

Die genannten Bücher leuchten in einem kräftigen Grün, das mit den Farben rot und weiß kombiniert wird. Die Wahl dieser leuchtenden Farben in Anlehnung an die italienische Trikolore ist gewiss kein Zufall: Reflektieren sie nicht auch den Enthusiasmus und die Sinnlichkeit, mit denen im Verlag dank der italienischen Passion des egalitären Patriarchen Klaus Wagenbach für autonome „wilde Leser“ lektoriert und ediert wird?

In Zeiten der Buchfabriken und Konzernverlage kann der kleine unabhängige Verlag, der 2004 sein 40jähriges Jubiläum feierte, beinahe schon als Anachronismus betrachtet werden; mit Sicherheit aber ist er ein Paradiesvogel. Galt er zu seinen Anfängen als erste Adresse der antiautoritären Bewegung und der außerparlamentarischen Opposition, stellt er in Zeiten des fortschreitenden Konzentrationsprozesses im Verlagswesen eine der letzten Bastionen dar, in denen Inhalten noch Vorrang vor kommerziellen Erwägungen eingeräumt und die so genannte Mischkalkulation betrieben wird, wobei die absatzstärkeren Titel das finanzielle Defizit von zwei Dritteln des Programms ausgleichen.

Als sich Ende der 70er Jahre die politische Kontroverse entschärft, verändert sich das Programm des Klaus Wagenbach Verlages im Sinne einer Verbreiterung ins allgemein Literarische hinein. Qualität bleibt für die 68er-Verlagslegende jedoch immer wichtiger als der Markt. Statt den schnellen Erfolg zu suchen, engagiert Klaus Wagenbach sich aufklärerisch und literarisch, denn er ist von der Wirkung der Bücher auf Einzelne felsenfest überzeugt. Das war er als Verleger und ist er heute als Lektor im Verlag Klaus Wagenbach, dessen Leitung er vor einigen Jahren an Susanne Schüssler abgegeben hat.

Die Wurzeln der Wagenbachschen Vorliebe für Italien liegen in den 50er Jahren. 1957 promoviert Klaus Wagenbach, Jahrgang 1930, mit einer Arbeit über Franz Kafka zum Dr. phil. In die späten 50er Jahre fällt auch die Begegnung mit dem charismatischen Giangiacomo Feltrinelli auf der Frankfurter Buchmesse, der dank der Publikation von Pasternak und Lampedusa gerade glänzenden internationalen Erfolg feiert. Nach Abschluss seines Studiums unternimmt Klaus Wagenbach auf dem Fahrrad verschiedene Reisen durch Italien. Dazu bewegen ihn nicht nur der Wunsch, die Kunstschätze des Landes zu entdecken, sondern auch die Erwartung, Einblick in das Leben „unserer Mitfaschisten“ zu nehmen. Während dieser Reisen wird der junge Akademiker in den Bann des Mittelmeerlandes gezogen. Notgedrungen lernt er zunächst das gesamte italienische Fahrradfachvokabular vom Schraubenzieher bis zur Speiche. Zu seinem großen Bedauern bleibt ihm allerdings der „für Liebe und Lyrik elementare Konjunktiv“ noch fremd. Die späteren Kenntnisse in „Kopfkissenitalienisch“ verdankt er erst seiner zweiten Ehefrau. Während seiner Wanderjahre in Italien macht Wagenbach auch die prägende Bekanntschaft mit einer vollständig anderen politischen Kultur, die den höflichen Umgang mit dem politischen Gegner pflegt, in der politische Kontrahenten „hinterher“ zusammen essen gehen. Nebenbei lernt er die Kunst „der gelassenen Überschreitung von Vorschriften, das Zulassen von kleineren Gesetzesübertretungen“ zu schätzen. Bereits als Jungverleger begegnet Wagenbach 1965 in Reggio Emilia den Mitgliedern des Gruppo 63. Den Beobachter, der die konsequente Ernsthaftigkeit der Gruppe 47 gewohnt ist, fasziniert die „mediterrane anarchistische Avantgarde im Schlafwagen“, die zwischen Badeausflügen, Konzerten und Gelagen Ecos Konzept des offenen Kunstwerks (opera aperta) diskutiert. Italienische Literatur bei Wagenbach beginnt folgerichtig mit der Publikation eines Erstlings, geschrieben von einem zentralen Mitglied des Gruppo 63 und Außenseiter der Literaturszene: 1967 erscheint der experimentelle Roman Niederauffahrt von Giorgio Manganelli.

Nicht ohne einen augenzwinkernden Seitenhieb auf das deutsche Publikum beruft sich Klaus Wagenbach auf Anarchie, Hedonismus und Geschichtsbewusstsein. Neben dieser Trias unkonventioneller Tugenden fühlt er sich der Tradition des mediterranen Erzählens verbunden, weil dort die Kunst eine Ebene höher steht als die Realität. Aufgrund ihrer Novellenkunst betrachtet er die Italiener als Erfinder des Erzählens, die literarische Lüge als ihr großes Talent. Es geht hier darum, Literatur als Kunst der Lüge und der Fantasie, als Kunst ernst zu nehmen, ohne den Blick auf die Realität preiszugeben.

Enorm erfolgreich ist die Publikation von Pier Paolo Pasolinis Freibeuterschriften 1978. In dieser Zeit der Gründungsphase der GRÜNEN findet der italienische Filmemacher, der beispielsweise das „Aussterben der Glühwürmchen“ beklagt, in Deutschland bald Anklang bei einer verunsicherten linken Intelligenz, die sich gleichermaßen mit Konsumterror, dem Untergang der bürgerlichen Welt oder dem Verschwinden der Dialekte auseinander setzt.

Ende der 70er Jahre sind die Zeiten, in denen Bücher über italienische Bauernaufstände im 16. Jahrhundert in einer Auflage von 15.000 Exemplaren gedruckt werden können, definitiv vorbei. Wagenbach reagiert mit einer Diskursverschiebung vom Politischen ins Ästhetische. In den frühen 80er Jahren entwickelt sich der italienische Schwerpunkt des Verlages weiter, im Herbst 1984 ist er nicht mehr zu übersehen und wird bald zur Erfolgsgeschichte.

Auf Manganelli folgen Ginzburg, Malerba, Celati, Gadda, Pirandello, Parise, Bobbio, Benni, Camilleri, Tabucchi sowie Brancati, Soldati, Landolfi, Vittorini, Rodari, Morante und andere. Klaus Wagenbachs unbeirrbarer Einsatz für innovative Literatur, sein verlegerischer Wagemut in Verbindung mit der Liebe zu Italien und zu italienischen Autoren vermitteln dem deutschsprachigen Publikum die Gegenwartsliteratur Italiens und bringen dem Verleger selbst verschiedene italienische Ehrungen (Premio Montecchio, 1985; Cavaliere per il merito della Repubblica italiana, 1989; Premio Nazionale per la Traduzione, 1990).

Auch in seinem Herkunftsland findet Klaus Wagenbach, der nach wie vor Wert darauf legt, der „höchst vorbestrafte lebende deutsche Verleger“ zu sein, hochoffizielle Anerkennung. Der einstige Verleger der Linken mit Autoren wie Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof, der von Teilen der bürgerlichen Presse in diffamatorischer Absicht als „kommunistischer Verleger“ abgestempelt wurde, erhält 2001 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Die beiden hier verfolgten großen Linien im Leben Klaus Wagenbachs, das linke emanzipatorische Engagement und die Vorliebe für Italien, sind auch an den Grabreden ablesbar, die er für zwei Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts hielt: Ulrike Meinhof und Giangiacomo Feltrinelli.

In seinem Italienbild lässt sich Klaus Wagenbach auch von den Erfolgen des Medienmoguls Berlusconi nicht beirren. Warum auch, wenn sich weiterhin viele interessante Bücher linksliberaler Theoretiker aus Italien finden, denen der Verlag Klaus Wagenbach hoffentlich auch in Zukunft mit unvermindertem Enthusiasmus Leser in Deutschland erschließen wird.

Dare una scorsa alla bibliografia della casa editrice berlinese Klaus Wagenbach comporta certi rischi. Si rivela infatti una fonte affascinante e inesauribile che fa venire una gran voglia di stilare una lunga lista di libri da non lasciarsi sfuggire. In questo elenco potrebbe stare innanzitutto l’antologia Mein Italien, kreuz und quer (2004), curata da Klaus Wagenbach in persona grazie alle sue conoscenze profonde e diversificate, seguita da Italienische Verhältnisse (2005) di Andrea Camilleri e Mein verrücktes Italien (2002) di Umberto Eco, come pure le raccolte di testi Berlusconis Italien – Italien gegen Berlusconi (2002) e Nach Italien. Anleitung für eine glückliche Reise (2002), tanto per dare un piccolo saggio dell’ampia sezione italofila del suo catalogo editoriale.

I libri citati sono di un verde sfolgorante, combinato con i colori rosso e bianco. La scelta di queste tonalità, sulla falsariga del Tricolore, non è certamente casuale: non vogliono infatti anche esprimere l’entusiasmo e la sensualità con cui – grazie alla passione per l’Italia del patriarca egualitarista Klaus Wagenbach – la casa editrice pubblica per i suoi “lettori feroci” e non allineati?

In quest’epoca di industrie librarie e gruppi editoriali questa piccola casa editrice indipendente, che nel 2004 ha festeggiato il suo 40° anniversario, può essere considerata quasi un anacronismo; che sia eccentrica è tuttavia una certezza! Se agli esordi era considerata il primo riferimento del movimento antiautoritario e dell’opposizione extraparlamentare, in quest’era di conglomerazione editoriale essa rappresenta uno degli ultimi bastioni dove i contenuti hanno ancora priorità rispetto alle considerazioni di carattere commerciale, dove vige il cosiddetto “calcolo differenziato”: in altre parole, gli utili dei titoli ad alta tiratura coprono i deficit causati da due terzi delle pubblicazioni.

Quando alla fine degli anni Settanta le controversie politiche si attenuano, il programma editoriale di Klaus Wagenbach s’indirizza verso la diffusione della letteratura in senso lato. Ciononostante per la leggendaria casa editrice sessantottesca la qualità resta un fattore più importante della diffusione sul mercato. Klaus Wagenbach, fermamente convinto dell’influsso dei libri sull’individuo, anziché mirare al successo immediato s’impegna in campo pedagogico e letterario. Ciò valeva nel periodo in cui aveva la funzione di editore e vale tutt’oggi in quella di lettore della casa editrice Klaus Wagenbach, la cui direzione è stata affidata alcuni anni fa a Susanne Schlüssler.

Le radici dell’amore di Wagenbach per l’Italia risalgono agli anni Cinquanta. Nel 1957 Klaus Wagenbach – classe 1930 – si laurea in filosofia con una tesi su Franz Kafka. Alla fine degli anni Cinquanta, alla Fiera del libro di Francoforte, incontra il carismatico Giangiacomo Feltrinelli che, grazie alla pubblicazione di Pasternak e Lampedusa, sta vivendo un brillante successo internazionale. Terminati gli studi universitari, Klaus Wagenbach intraprende diversi viaggi in bicicletta attraverso l’Italia. Non lo stimola soltanto il desiderio di scoprire i tesori artistici del Paese, ma anche il desiderio di farsi un’idea su come vivono “quegli ex alleati fascisti”. Durante questi viaggi il giovane laureato viene attratto dall’incantesimo del Paese mediterraneo. Per pura necessità è costretto innanzitutto a imparare tutta la terminologia ciclistica: dal cacciavite ai raggi. Con suo grande dispiacere gli resta peraltro ignoto il congiuntivo, modo tanto essenziale per amore e poesia. Le nozioni linguistiche dell’italiano di ogni giorno, acquisite successivamente, le dovrà solo alla sua seconda moglie. Nei suoi anni in giro per l’Italia Wagenbach fa altresì la conoscenza formativa di una cultura politica completamente diversa, quella che con l’avversario mantiene rapporti cordiali, quella grazie a cui, “dopo”, ci si va a cena insieme. Oltre a ciò impara ad apprezzare l’arte di “andare oltre le regole con noncuranza, accettando piccole contravvenzioni alla legge”. Da giovane editore, nel 1965, Wagenbach incontra a Reggio Emilia gli esponenti del Gruppo 63. Attento osservatore com’è, e abituato alla rigorosa serietà del Gruppo 47, viene affascinato da quella “anarchica avanguardia mediterranea da vagone letto” che, fra gite balneari, concerti e gozzovigliamenti vari, dibatte sull’opera aperta concepita da Umberto Eco. La letteratura italiana pubblicata da Wagenbach ha pertanto avvio con una primizia scritta da un membro fondamentale del Gruppo 63, che nell’ambiente letterario è considerato un outsider: il romanzo sperimentale Niederauffahrt (Hilarotragoedia, Milano 1964, Adelphi 1987) di Giorgio Manganelli.

Senza celare gomitate – date strizzando l’occhiolino – al pubblico tedesco, Wagenbach si appella ad anarchia, edonismo e consapevolezza storica. Accanto a questa triade di virtù poco convenzionali, l’editore si sente legato alla tradizione del racconto mediterraneo, poiché lì l’arte è posta un gradino più in alto della realtà. Per la loro arte del novellare, egli ritiene che gli italiani siano gli inventori del racconto e che la finzione letteraria sia il loro grande talento. Si tratta dunque di prendere la letteratura seriamente, come abilità di fingere e fantasticare, come arte, senza perdere il contatto con la realtà.

Enorme successo ha la pubblicazione di Freibeuterschriften (Scritti corsari, Garzanti, 1975) di Pier Paolo Pasolini nel 1978. In quei tempi ha luogo la fondazione del partito dei Verdi tedeschi e il cineasta italiano, che lamenta ad esempio “la scomparsa delle lucciole”, trova presto molti accoliti in Germania nei gangli di un’ansiosa “intelligenza” di sinistra, quella che si occupa in egual misura del consumismo sfrenato, dell’affossamento della società borghese e della scomparsa dei dialetti.

Ma alla fine degli anni Settanta i tempi in cui si stampavano libri con tiratura di 16.000 copie sulle rivoluzioni contadine del XVI secolo sono definitivamente finiti. Wagenbach reagisce con una trasposizione tematica dalla politica all’estetica. All’inizio degli anni Ottanta la focalizzazione della casa editrice sull’Italia si sviluppa ulteriormente, diventa evidente e nel 1984 ha un ruolo nel suo successo editoriale. A Manganelli fanno seguito Ginzburg, Malerba, Celati, Gadda, Pirandello, Parise, Bobbio, Benni, Camilleri, Tabucchi, nonché Brancati, Soldati, Landolfi, Vittorini, Rodari, Morante e altri. L’impegno risoluto di Wagenbach nei confronti della letteratura innovativa, la disposizione al rischio editoriale abbinata all’amore per l’Italia e per i suoi autori, offrono la letteratura contemporanea italiana al pubblico di lingua tedesca e fanno sì che gli vengano assegnate persino diverse onorificenze (Premio Montecchio, 1985; Cavaliere per il merito della Repubblica italiana, 1989; Premio Nazionale per la Traduzione, 1990).

Klaus Wagenbach, “l’editore tedesco vivente maggiormente pregiudicato” che ci tiene a esserlo, gode di riconoscimenti ufficiali anche nel suo Paese d’origine. La casa editrice un tempo della sinistra, che parte della stampa borghese aveva bollato con intenti diffamatori come “comunista” a causa di autori come Rudi Dutschke e Ulrike Meinhof, riceve nel 2001 la Croce al merito federale di prima classe.

Le due grandi linee seguite nella vita di Klaus Wagenbach, quella emancipatoria di sinistra e quella dell’amore per l’Italia, si ritrovano anche nei discorsi funebri da lui tenuti per due personalità del XX secolo: Ulrike Meinhof e Giangiacomo Feltrinelli.

Nel suo quadro sull’Italia Klaus Wagenbach non si fa fuorviare nemmeno dai successi del gigante mediatico Berlusconi. Perché mai dovrebbe, finché è reperibile una moltitudine di libri interessanti di intellettuali progressisti di sinistra italiani che la casa editrice Klaus Wagenbach continuerà a proporre con immutato entusiasmo, si spera, ai lettori tedeschi.